Der Wächter des Stegs


Da sitzt Du immer noch
Wie mich das freut!
Du bist doch nicht aus Holz
In Dir schlägt ein Herz
Das Kieselherz, das ich letzten Sommmer gefunden habe, brauche ich nicht zurückbringen

Weißt Du noch als die bunten Stühle mit Handtüchern belegt waren?
Von den Frühaufstehern
Die, die gleich am Morgen in das Wasser springen wollten wie junge Delfine
Die, die dann spitze Kiesel unter ihren Sohlen spürten und das Tempo drosselten wie alte Dampfloks
Ihr Gang wurde staksig, ein Storch war nichts dagegen
Von Stein zu Stein wurde ihr Gesicht hölzerner-steifer
Der Schmerz trieb strandgutartig auf das Ufer zu

Erst als die Sonne ihr silbernes Seidentuch über den See legte, waren sie über den Berg
Und als die Wasservögel lautstark schimpften, versteckten sie sich verschämt im Schilf

Hier bleibst Du also sitzen, Du Wächter der Jahreszeiten
Dein Schnurrbart wackelt im Wind
Das Licht wird gleissend hell, die Sonnne versinkt an derselben Stelle wie immer
und Deine Augendeckel klappen zu