Abschied

Manchmal gibt es diese besonderen Tage als KlinikClown.

Das sind die Tage, an denen ein lieber Mensch, den man oft viele Jahre regelmäßig besucht hat, sich genau an dem Tag aus dem Leben verabschieden möchte, wenn man im Hause ist, um ihn zu besuchen. 

Ein besonderes Geschenk ist es dann für uns, wenn die Kinder verstehen, dass ihre sterbenden Eltern Verbindungen hatten, die sie selbst vielleicht gar nicht mitbekommen haben. Weil sie zum Beispiel selten an einem Clownstag im Haus waren. Dass Mutter oder Vater diese merkwürdigen bunten Gestalten, die musizierend durch die Gänge spazieren, als wären sie hier Zuhause, kannten und mochten. 

Wenn wir also an ihre Tür klopfen und uns jemand öffnet, der wohl vertraute Gesichtszüge in sich trägt und wir gleich verstehen, dass die Familie in diesem Moment zusammen gekommen ist. Uns ein unverständiger Blick begegnet, der sagt, dass unser Besuch heute der unpassendste im ganzen Universum ist – ja fast schon geschmacklos anmutet, im Angesicht des Todes. 

Wenn sie uns dann nicht sofort wegschicken, sondern uns in die Augen sehen. Wenn sie begreifen und verstehen. Und uns hinein bitten, damit wir einen letzten Blick auf den Menschen werfen dürfen, mit dem wir soviel gelacht, gesungen und geratscht haben. Uns zuschauen, wie wir uns leise und respektvoll verabschieden. 

Dann sind wir wohl doch für einige Augenblicke die Paradiesvögel, an die man sich später erinnert.

In helleren Tagen.

Der Wächter des Stegs


Da sitzt Du immer noch
Wie mich das freut!
Du bist doch nicht aus Holz
In Dir schlägt ein Herz
Das Kieselherz, das ich letzten Sommmer gefunden habe, brauche ich nicht zurückbringen

Weißt Du noch als die bunten Stühle mit Handtüchern belegt waren?
Von den Frühaufstehern
Die, die gleich am Morgen in das Wasser springen wollten wie junge Delfine
Die, die dann spitze Kiesel unter ihren Sohlen spürten und das Tempo drosselten wie alte Dampfloks
Ihr Gang wurde staksig, ein Storch war nichts dagegen
Von Stein zu Stein wurde ihr Gesicht hölzerner-steifer
Der Schmerz trieb strandgutartig auf das Ufer zu

Erst als die Sonne ihr silbernes Seidentuch über den See legte, waren sie über den Berg
Und als die Wasservögel lautstark schimpften, versteckten sie sich verschämt im Schilf

Hier bleibst Du also sitzen, Du Wächter der Jahreszeiten
Dein Schnurrbart wackelt im Wind
Das Licht wird gleissend hell, die Sonnne versinkt an derselben Stelle wie immer
und Deine Augendeckel klappen zu